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Bürgerehrung 2009

Prof. Dr. Friedrich Karl Azzola erhielt höchste Ehrung der Gemeinde

Am vergangenen Sonntag vergab die Bürgerpreiskommission den Bürgerpreis und ehrte weitere Bürgerinnen und Bürger für sportliche, kulturelle, soziale und ökologische Vereinstätigkeit in der Großsporthalle Geinsheim.

Bürgerpreis für Professor Azzola

„Still, zurückgenommen, bescheiden und gesegnet mit einem schier unendlichen Wissen“, so beschrieb Bürgermeister Jürgen Arnold in seiner Eröffnungsrede den diesjährigen Preisträger.

Prof. Friedrich Karl Azzola

Bürgerpreis (von links): Horst Staengle, Vorsitzender der Gemeindevertretung, Professor Azzola und Bürgermeister Jürgen Arnold.

Seine umfassenden Forschungen, sein historisches Fachwissen wird in Fachkreisen beachtet und ist anerkannt, in Trebur ist Professor Azzola jedoch eher bekannt für seine Abhandlungen und Artikel in den Geschichtsbüchern der Gemeinde und in den Treburer Nachrichten, mancher schätzt sicher noch sein – in dieser Breite und Fundierung einmaliges - Wissen um Handwerk und Handwerkszeichen. Nur wenige aber kennen seine umfangreichen Forschungen zur Ikonografie vergangener Jahrhunderte und sein in Deutschland ebenfalls einmaliges Wissen über Grabmalgestaltungen, über deren eingemeißelte Zeichen, die vom Leben erzählen, wenn man sie wie er zu entschlüsseln versteht.

Die Bürgerpreiskommission entschied sich für einen Menschen, der mit tiefgründigen klugen Publikationen über die Grenzen Hessens hinaus bekannt wurde. Ein Mensch, der es wie wenige geschafft hat, zum Spezialisten sowohl auf naturwissenschaftlichen als auch auf geisteswissenschaftlichen Feldern zu werden. Ein wissender und zugleich bescheidener Mensch, vor dem jeder, der ihn genauer kennt, höchste Achtung hat.

Horst Staengle, Vorsitzender der Gemeindevertretung, ließ sich trotz seines Urlaubs im Norden Deutschlands die Laudatio nicht nehmen. Er reiste für den Tag der Ehrungen kurzerhand aus Kiel an und erwies damit dem in Rumänien geborenen Naturwissenschaftler alle Ehre.

Azzola habe sich seit den fünfziger Jahren in seiner Freizeit der wissenschaftlichen Erforschung der christlichen und weltlichen Ikonographie sowie der historischen Berufs- und Handwerkszeichen gewidmet, wies Horst Staengle auf die Bedeutung dieser Arbeit: "Durch seine Studien konnte anhand der Zeichen bestimmt werden, welche Personen die Bauwerke errichteten und in welchem Jahr sie eingeweiht wurden.“ Professor Azzolas Arbeiten reichten stets über die örtlichen Grenzen hinaus.

Für seine Forschungen zu Handwerk und Zunftzeichen der Stadt Marburg habe der promovierte Chemiker Azzola sogar den Bundesverdienstorden erhalten. Azzola bedankte sich bei den Teburer Bürgern für die Auszeichnung. Das Preisgeld von 500 Euro wolle er „dem Steuerzahler zurückgeben“ und für Druckkosten einer Denkmal-Inventur verwenden.

Dieter Berges – Ehrung für kulturelle Vereinstätigkeit

Wer Dieter Berges noch als engagierten Lehrer erleben durfte, wird das nie vergessen. So manchem seiner Schüler stellte er die Weichen für sein späteres Leben, allein durch sein Vorbild, seine Klarheit im Handeln und seine bemerkenswerte Art Wissen zu vermitteln. Er setzte sich für unbequeme Schüler ein, für so manchen, der „aus dem Ruder lief“. Er brachte ihnen die Freude am Lernen bei und in einigen weckte er die Lust am Forschen, am Mehr-Wissen, am Nachfragen und Hinterfragen. Manche wollen Lehrer werden wie er.
Nach der Pensionierung setzt er nun seine Arbeit fort.

Dieter Berges rechts

Kulturelle Vereinstätigkeit: Georg Jäger (links) hielt als Mitglied der Bürgerpreiskommision die Laudatio für Dieter Berges.

Er gibt sein Wissen, seine Freude an der Geschichte und den Geschichten Schülerinnen und Schüler weiter. Kein Wunder also, dass das Kollegium der Lindenschule Trebur, Dieter Berges für die Bürgerehrung vorgeschlagen hat. Hinzu kommen seine historischen Rundgänge durch den Ort, die immer etwas Besonderes sind. Denn Dieter Berges besitzt das Talent, sein großes Wissen um geschichtliche Zusammenhänge mit dem Leben der Menschen der vergangenen Jahrzehnte, ja Jahrhunderte, bildhaft zu verknüpfen. Er bringt uns Geschichte nahe, sei es als Erzähler auf seinen stets Wochen vorher ausverkauften Nachtwächterrundgängen, sei es auf seinen Rundgängen für Schülerinnen und Schüler. Mit seiner von Sachlichkeit, Wissen und Engagement geprägten Arbeit, lässt Dieter Berges Brücken das Leben unserer Vorverfahren lebendig werden.
Dieter Berges konzipierte als Mitglied der "Gesellschaft Heimat und Geschichte" zahlreiche spannende Ausstellungen im Treburer Museum, darunter die Ausstellung über Fachwerk, Vertriebene und 1175 Jahre Trebur. Seine dazugehörigen Publikationen werden noch heute nachgefragt.
Bürgermeister Jürgen Arnold zur Ehrung: „Eine Welt, in der das Durchsetzen eigener materieller und Machtinteressen als Ehrensache gilt, in der sich das Leben im Gemeinwesen auf Versicherung, Steuererklärung, Bankauszug und das Benutzen der selben Straßen reduziert – werden solche Menschen, wie wir sie heute ehren wollen, immer rarer … ebenfalls ein Mensch, den ich sehr schätze, gesellt sich hinzu: Auch er ist historisch interessiert und gebildet. Auch ihn prägt sein Wissensdurst und die Fähigkeit, angeeignetes Wissen zurück zu geben, weiter zu geben. Forschende und Wissen Vermittelnde, historisch Interessierte und wissenschaftlich Arbeitende: Beide (Azzola und Berges, Anm. Red.) sind unermüdlich. Und beide sind kluge und aufmerksame Gesprächspartner.“

Doris Rossmanith – Ehrung für sportliche Vereinstätigkeit
Doris Rossmanith, von Beruf Erzieherin, leitet seit über zehn Jahren verschiedene Kinder-Jazztanz-Gruppen im SV 07 Geinsheim. Sie erarbeitet die Choreografie, trainiert mit den Kindern, schneidert Kostüme und ist mittlerweile mit ihren Gruppen auch über die Grenzen Geinsheims hinaus bekannt. Ihre Begeisterung für die Arbeit mit Kindern verlässt sie auch außerhalb ihres anstrengenden Berufes als Erzieherin nicht. Dies und die Liebe zum Jazztanz hat sie auf ihr ehrenamtliches Engagement und ihre Töchter übertragen, die sie heute in ihrer Arbeit mit den Jazztanzgruppen tatkräftig unterstützen. Laudator Helmut Kraft hob hervor:

Doris Rossmanith

Sportliche Vereinstätigkeit: Kommissionsmitglied Helmut Kraft (links) hielt die Laudatio für Doris Rossmanith.

„Deine Arbeit mit Kindern ist bewundernswert. Durch deinen großen Einsatz werden bei den Kindern Bewegung, Musikalität, Rhythmusgefühl, Konzentration, Integration und Teamfähigkeit gefördert." Bürgermeister Jürgen Arnold betonte in seiner Rede: "Du verkörperst das Ideal für ehrenamtliches Engagement in Vereinen.“
Bürgerinitiative gegen Kiesabbau BIK – Ehrung für ökologische Vereinstätigkeit
Menschen, die sich zu einer Bürgerinitiative zusammen schließen, gibt es häufiger. Aber in dieser Initiative arbeiten Menschen, die nicht nur in den vom Kiesabbau betroffenen Orten Geinsheim oder Hessenaue wohnen, sondern die auch in Trebur und Astheim leben. Die BIK ist ein Beispiel für die effektive Zusammenarbeit über die Ortsteilgrenzen hinweg. „Wir ehren Menschen, die umfangreiches Material zu einem viele nervenden und für viele auch bedrohlichen Thema gesammelt haben. Menschen, die ihr Wissen argumentativ an andere weitergeben, die versuchen zu überzeugen. Ich darf einmal bildhaft ausdrücken: Menschen, die einen Kieselstein ins Wasser werfen und damit Kreise ziehen und ansteigende Wellen schlagen“, so charakterisiert Jürgen Arnold die Arbeit der BIK. „Jeder kehrt vor seiner eigenen Haustür“ gelte gerade für diese Mitglieder nicht.

Bürgerinitiative gegen Kiesabbau

Ökologische Vereinstätigkeit: Kommissionsmitglied Christian Schmidt (2. von links) hielt die Laudatio für die Bürgerinitiative gegen Kiesabbau. Die Ehrung nahmen stellvertretend Edwin Becker (links) und Peter Zehnder (nicht auf dem Foto) entgegen. Gemeindevertreter Jürgen Roos (2. von rechts) und Bürgermeister Jürgen Arnold (rechts) im lockeren Gespräch.

Denn die BIK engagiert sich für ein, den gesamten Kreis Groß-Gerau betreffendes, wichtiges Thema. Mit phantasievollen Aktionen, darunter Fackelwanderungen und blauen Luftballons, setzen sich die Mitglieder der BIK ein für den Erhalt der Auen und Felder, gegen den Großpolder Trebur, gegen die Zerstörung der - im Rhein-Main-Gebiet immer weniger werdenden - Lebensräume heimischer Flora und Fauna sowie gegen die Vernichtung von Arbeitsplätzen in·der Landwirtschaft.
„Wir kämpfen weiter", brachte es Edwin Becker auf den Punkt als er die Auszeichnung für die Mitglieder der Bürgerinitiative in Empfang nahm.
Band „Flying Toreros“ – Ehrung für soziale Vereinstätigkeit
Cornelia und Werner Müller leben in Astheim. Ein Glücksfall für die Gemeinde Trebur. Denn: Die beiden sind Mitglieder der Initiative Flying Toreros und Freunde“. Das besondere an dieser Gruppe: Musikalisches Können verbindet eine Rock-Pop-Cover-Band seit nunmehr elf Jahren mit einem jährlichen Benefizkonzert. Über eine halbe Million Euro sammelte die kleine Truppe um das Astheimer Ehepaar Müller. Nicht für sich oder um ihren ohnehin schon hohen Bekanntheitsgrad zu erhöhen arbeiten die Bandmitglieder und ihre Freunde ein ganzes Jahr an dem Ereignis in der Rüsselsheimer Köbelhalle. Zum musikalischen Highlight, für das sie jährlich engagierte Gastmusiker gewinnen, die ohne Gage spielen, kommt der Konzerteffekt und ein bisher stets sehr hoher Erlös, der gespendet wird.

Cornelia und Werner Müller

Soziale Vereinstätigkeit: "Wir möchten den Preis mit vielen Helfern und Unterstützern teilen", sagte Cornelia Müller als sie stellvertretend für die Initiative „Flying Toreros und Freunde“ die Ehrung entgegen nahm. Links ihr Ehemann Werner Müller von den Flying Toreros und rechts Laudator Stefan Kasseckert.

Wie viele Kinder, wie viele Einrichtungen haben von „Benefiz für Kids“ im vergangenen Jahrzehnt profitiert? Und wie viele große und größer werdende Steine hat diese Gruppe aus dem Weg geräumt, wie viele bürokratische Hindernisse überwunden und wie oft geduldig Überzeugungsarbeit geleistet, damit das Geld bei den Richtigen ankam, bei den Kindern.
Laudator Stefan Kasseckert von der Kinder- und Jugendförderung erinnerte an die Anfänge der Initiative, als der Bassist Werner Müller und seine Frau Cornelia Mitstreiter für eine Idee suchten, die erst einmal nichts als jede Menge Arbeit einbrachte. Sie wollten ein Konzert für einen guten Zweck organisieren und überzeugten Rüsselsheims Oberbürgermeister Stefan Gieltowski, ihnen dafür die Walter-Köbel-Halle zu überlassen. Dem ersten Konzert folgten weitere. So konnten Projekte wie die psychosomatische Betreuung von Kindern und Jugendlichen in der Rüsselsheimer Klinik finanziert werden. Nach dem Konzert ist vor dem Konzert.
alle Preisträgerinnen und Preisträger 2009

Die Geehrten von links nach rechts: Cornelia und Werner Müller (Flying Toreros), Doris Rossmanith (Jazz-Gymnastik SV07 Geinsheim), Dieter Berges, Prof. Dr. Friedrich Karl Azzola, Edwin Becker und Peter Zehnder (BIK)

Doch: „Es ist nicht leicht und schon gar nicht selbstverständlich, sich über die eigenen körperlichen und zeitlichen Grenzen hinaus für das Gemeinwesen einzusetzen. Das werden alle Preisträger und vor allem auch ihre Familien heute bestätigen können. Einen herzlichen Dank an Sie alle.“ (Zitat: Jürgen Arnold)

Gestaltet wurde der Nachmittag vom Kulturbüro der Gemeinde. Die Bewirtung hatten die Mitglieder des MGV Eintracht übernommen. Am Programm beteiligten sich die Jazz-Gymnastik des SV07 Geinsheim, der Gemischte Chor Frohsinn, die Happy Voices sowie die Flying Toreros mit: „Und, was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen …“


Fotos:
Pamela Hugo, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Rathaus Trebur
Text: Elke Hoeft, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Rathaus Trebur

 

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