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Geschichtlicher Überblick II

Geinsheim unter verschiedener Herrschaft
Die Entwicklung Geinsheims nahm im frühen und hohen Mittelalter eine andere Richtung. Der Ort gehörte nicht zum Fiskus Trebur und muß schon früh aus wahrscheinlich ursprünglich königlichem Besitz ausgeschieden sein. In der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts sind mehrere private Schenkungen über Geinsheimer Grundbesitz an das Kloster Lorsch überliefert. Im Spätmittelalter besaß das Kloster Jakobsberg bei Mainz und mit ihm seine Vögte, die Grafen von Isenburg, die Dorfherrschaft. Zwischen 1802 und 1826 errang Hessen alle Rechte an Geinsheim. Diese territorialen und verwaltungsmäßigen Veränderungen waren, ähnlich wie in den anderen Orten, eine Folge der Eroberungskriege Napoleons und der Neuordnung des alten Reiches, darunter auch die im Reichsdeputationshauptschluss festgelegte Säkularisierung der Kirchengüter.

Astheim gehörte zu Mainz
Astheim, um die Mitte des 9. Jahrhunderts zum Fiskus Trebur gehörig, war im 11. Jahrhundert zumindest teilweise im Besitz des Bistums Speyer, dessen Besitzrechte 1099 an das Bistum Worms übergingen. 1571 besaßen das Erzbistum Mainz und die Landgrafschaft Hessen durch Erwerb von verschiedenen Territorialherren Astheim je zur Hälfte. Seit 1579 lagen alle Hoheitsrechte und damit die uneingeschränkte Dorfherrschaft bei Mainz. 1803 wurde Astheim hessisch.

Trebur als königliche Pfandschaft
Trebur ging 1248 als königliche Pfandschaft, die nie eingelöst wurde, an die Grafen von Katzenelnbogen. 1422 erwarben die Grafen bestimmte Hoheitsrechte an Trebur, die aus der Münzenberger und Falkensteiner Verwaltungstätigkeit für das Reich herrührten, von Dieter von Isenburg.
Mit der Katzenelnbogener Erbschaft kam Trebur 1479 an die Landgrafschaf Hessen.

Kornsand - verwaltungsgeschichtlicher Sonderfall
Seit 1832 gehören die drei Ortschaften zu dem seinerzeit neugegründeten, aus dem Amt Dornberg hervorgegangenen Kreis Groß-Gerau. Verwaltungsgeschichtliche Sonderfälle stellen bis in neuere Zeit die selbständigen Gemarkungen der Rheinauen und des Kornsands dar.

Hessenaue - das Erbhöfedorf
1937 wurde aus Gemarkungsteilen der Nachbargemeinden das "Erbhöfedorf" Hessenaue gegründet. Hessenaue wurde bis 1951 von Geinsheim aus verwaltet. Der Ort war von diesem Jahr bis zur Gebietsreform selbständige Gemeinde.

Warum die Gemeinde noch heute Wald bei Mörfelden hat
Seit dem Spätmittelalter bildete Trebur mit den Gemeinden Nauheim und Mörfelden die "Dreidorfmark". Die Orte verwalteten und nutzten gemeinsam den um Mörfelden gelegenen großen Markwald. 1731 wurde die Mark aufgelöst. Der Wald ging zur Hälfte an Trebur und zu je einem Viertel an Nauheim und Mörfelden.

Naturkatastrophen, Repressionen, Armut
Die drei alten Ortschaften der Gemeinde Trebur waren in der frühen Neuzeit vielfach Naturkatastrophen (Hochwasser), Kriegen und Pestepidemien ausgesetzt. Im Dreißigjährigen Krieg starben in manchen Dörfern mehr als die Hälfte der Einwohner. Die zahlreichen Erb- und Thronfolgekriege des ausgehenden 17. und des 18. Jahrhunderts und schließlich die napoleonischen Kriege wurden auch in unserem Raum mit vielfachen Repressionen gegen die Bevölkerung ausgetragen.

Das 19. Jahrhundert ist durch soziale und wirtschaftliche Missstände geprägt, die zwischen 1840 und 1890 viele Einwohner zur Aus- bzw. Abwanderung zwangen. Erst industrielle Arbeitsmöglichkeiten im Rhein-Main-Gebiet trugen seit Ende des 19. Jahrhunderts in begrenztem Maße zur Beseitigung wirtschaftlichen Elends bei.

20. Jahrhundert
Die Entwicklung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird durch zwei Weltkriege und die nationalsozialistische Gewaltherrschaft überschattet. Auch hier wurden Menschen ihres Glaubens, ihrer Zugehörigkeit zu einem anderen Kulturkreis oder ihrer politischen Überzeugung wegen unterdrückt und verfolgt. Jüdische Mitbürger wurden in Vernichtungslager verschleppt, die Mehrzahl von ihnen ermordet. Am Kornsand, einem historischen Rheinübergang wurden noch im März 1945 sechs unschuldige Oppenheimer und Niersteiner Bürger misshandelt und ermordet - zwei Tage bevor die amerikanischen Streitkräfte unter General Patton den rechtsrheinischen Brückenkopf eroberten.

Mühsam gelangen nach dem Ende des Krieges der Wiederaufbau und die Eingliederung Hunderter von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen. In der Folgezeit wurden die Grundlagen geschaffen für ein modernes und freiheitliches Gemeinwesen.

Das Aussehen der alten Ortskerne ist zu einem guten Teil noch von der historischen Bausubstanz geprägt, deren Erhaltung durch Dorferneuerungsprogramme gefördert wurde. Zahlreiche Fachwerkhäuser, einige entstanden noch vor dem Dreißigjährigen Krieg, sind inzwischen restauriert. Sie vermitteln heute einen deutlichen Eindruck von der baugeschichtlichen Entwicklung der Dörfer seit dem frühen 17. Jahrhundert.

Geschichtlicher Seitenblick

Eine Pfarrkirche zu Geinsheim ist erstmals 1122 erwähnt. Im Mai 1882 war die Grundsteinlegung zum Bau der neuen evangelischen Kirche. Trotz eines verhehrenden Hochwassers im Januar 1883, das auch den Bau der Kirche überschwemmte, wurde das Gebäude 1883 fertig gestellt und eingeweiht.


Fachwerk am Ortseingng von Astheim (neben der Kirche): Nach dendrochronologischer Untersuchung wurde das Holz 1616 geschlagen und mit dem Bau des Hauses 1617 begonnen. Aufgrund gleicher Bauweise lassen sich Rückschlüsse auf das Baujahr des heutigen Museums in Trebur schließen.


Der jüngste Ortsteil Treburs, die Hessenaue, ist in Form einer Streusiedlung um das ehemalige Rathaus, heute das Bürgerhaus, gruppiert.

Blick durch das Tor der Laurentiuskirche auf "Das Große Haus". Es gehörte im 16. Jhr. zur Ausstattung des Klosterhofes von St. Alban zu Mainz. Das Gebäude war landgräflicher Verwaltungssitz, ging dann in bäulerlichen Privatbesitz über und wurde später abgerissen. Das heutige stattliche Barockgebäude stammt aus dem Jahr 1720.


Mehr zu Astheim, Geinsheim, Hessenaue finden Sie demnächst unter den Wappen in der rechten Spalte.

 

 

Zeittafel
Geinsheim " Unser Dorf in alten Zeiten" - Website von Irmgard Schäfer
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