Leserbrief zum Thema „ Kies in Trebur“ Dyckerhoff-Zeitung 1/2008
von Gertrud Scharning
Sehr geehrter Herr Dr. Derstroff,
wie blöd werden wir Bürger von Trebur von den Verantwortlichen der Firma Dyckerhoff eigentlich gehalten, dass wir auf die Schönmalerei in dieser Zeitung hereinfallen?
200.000 LKW-Ladungen wären also zur Verfüllung notwenig, für die es keine geeignete Erde gibt. Weil die großen Kies- und Sandvorkommen in der Regel auch Träger von bedeutenden Grundwasser-vorkommen sind und weil angeblich sogar Ackererde mehr verseucht ist, wie für eine Verfüllung zulässig..
Sie schreiben in Ihrer Zeitung , dass diese Aspekte bereits im Jahr 1994 Thema der Studie (KaBa) war . Trotzdem Sie diese Studie kannten und trotzdem Sie oder Ihr Vorgänger genau wussten, dass also eine Verfüllung zur Renaturierung nicht möglich ist, wollen Sie uns Bürger mit dieser Schönmalerei in Ihrer Extrazeitung dazu bringen, das Land für Ihre Zwecke abzugeben. Auf Hochglanzpapier wird suggeriert, wie aus der großen Wasserfläche ein Naturparadies entstehen könnte.
Dazu werben Sie mit Bildern von unserem Oberwiesensee. Der konnte sich aber nur so entwickeln, weil der ASV darüber wacht, dass sich kein wilder Badesee entwickeln kann. Auf einer so großen Fläche, wie von Ihnen geplant, wäre eine Überwachung m.E. aber nicht möglich.
Die Folge kann nur sein: Badetourismus. Unmengen PKW-Schlangen beladen mit Bade-Touristen fahren im Sommer Jahr für Jahr bereits jetzt schon durch unsere Straßen. Der dadurch resultierende Durchgangsverkehr lässt die Anlieger jetzt bereits alt aussehen, wenn diese mit ihrem PKW ihr Anwesen verlassen möchten. Ich bin Anliegerin und habe einmal allein in einer halben Stunde 550 PKWs mit Nummern-Schildern aus Frankfurt/ Hanau/ Offenbach/Mainz/ MTK, Kreuznach, etc. gezählt Mit dem PKW unser Haus zu verlassen, wäre unmöglich gewesen und dann sollen noch größere Bademöglichkeiten geschaffen werden?
Sie sagen, dass der Umsatz mit Sand und Kies derzeit insgesamt im Dyckerhoff-Konzern weniger als 1 Prozent des Konzernumsatzes ausmacht und der größte Teil davon in den Niederlanden erzielt wird. Dabei frage ich mich, wie die Holländer Erde abgeben können, wo sie doch jährlich jede Menge davon benötigen, ihre Dämme zu sichern. Und außerdem frage ich mich, was Sie dazu veranlasst hat, seit 2004 rund 2 Millionen Euro zu investieren, besonders, wenn Ihr jährlicher Gewinn doch nur ca. 100.000 Euro beträgt?
Beim RP und auch uns gegenüber rechtfertigen Sie Ihr Vorhaben auch mit dem Erhalt der 20 Arbeitsplätze, In einem so großen Unternehmen wird es doch für 5 Personen noch einen anderen Arbeitsplatz geben. Denn die 5 Mitarbeiter in der Verwaltung sind sicher nicht nur mit dem Kiesabbau in Trebur beschäftigt und die anderen 10 sind, wie Sie selbst sagen, Transportunternehmer.
Unter „ Zahlen und Fakten zum Kieswerk Trebur „teilen Sie uns mit, dass Sie pro Jahr 50.000 Tonnen Kies und 250.000 Tonnen Sand in unserer Gemarkung fördern. Und weiter, dass die Gemeinde dafür jährlich einen Förderzins von 30.000 bis 40.000 Euro erhält. Das ergibt umgerechnet einen Betrag von ca. 3 Euro pro Einwohner im Jahr. Dafür sollen wir unser Land ausbeuten lassen und dann mit der „Faszination der großen Wasserfläche“ belohnt werden. Bravo, Herr Dr. Derstroff, das ist ein großartiges Geschäft. Aber nur für Sie, wie mir scheint!
Für uns Bürger von Trebur würde eine große Unsicherheit bleiben. Nämlich die, wie sich die geplante großflächige, unverfüllte Seenlandschaft gerade in diesem Gebiet in der Zukunft verhält. Insbesondere wenn wieder einmal ein 200-jähriges Hochwasser wie im Jahr 1988 kommt, als das Rheinwasser ca. 20 cm unter der Deichkrone stand und in den Fluren der Gemeinde der Ortsteil Hessenaue allein vom Druckwasser meterhoch im Wasser stand.
Und zum Schluss, sehr geehrter Herr Dr. Derstroff hoffe ich, dass alle Bürger der Gemeinde Trebur sich Ihre wunderbaren Fakten so genau durchlesen wie ich und zum Ergebnis kommen : „Chancen und Möglichkeiten.“ kann man nur für Ihr Unternehmen sehen, nicht aber für uns Bürger von Trebur.
Freundliche Grüße Gertrud Scharning
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